EuroEyes Cyclassics 2016

Die EuroEyes Cyclassics 2016 sind nun schon zwei Tage her. Aber genau diese beiden Tage brauchte ich, um mir darüber Gedanken zu machen, was ich wirklich schreiben will.

Wenn ich den Bericht direkt am Sonntag verfasst hätte, dann wäre nur sowas in der Art wie „Es war schrecklich, nie wieder, sehr schlechter Tag, so langsam wie nie zuvor, etc.“ bei rausgekommen. Ich wollte daher lieber nochmal alles in Ruhe verdauen und nun (hoffentlich) einen sachlichen Bericht verfassen.

Also … obwohl ich mir – wie bereits beim diesjährigen Velothon Berlin – vorgenommen hatte, kein Rennen zu fahren, war ich unerwartet aufgeregt. Die Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich sehr schlecht und hatte Alpträume. Daher war das Aufstehen am Sonntagmorgen kein Problem, da ich ohnehin sehr früh aufgewacht bin – vermutlich vor Aufregung.

Mat und ich machten uns also in Ruhe Zuhause fertig und fuhren nach Hamburg. Als wir am Start angekommen waren, war tatsächlich schon was los, obwohl wir wirklich früh vor Ort waren. Die Aufregung bei mir stieg immer weiter. Der Startblock war gut mit HFS Foris gefüllt, das sah wirklich klasse aus. Helmut wäre bestimmt geplatzt vor Stolz!

Sehr pünktlich ging es dann los. Und sehr schnell merkte ich, dass es nicht mein Tag war. Bereits bei Kilometer 30 habe ich mir innerlich die Frage gestellt, wie ich an diesem Tag 100 km schaffen sollte! Aber weiter ging es. Nur die Geschwindigkeit wurde immer langsamer. Es ging einfach gar nicht. Ab Kilometer 60 kam hinzu, dass mir schlecht wurde. Ich wusste nicht, ob ich anhalten sollte zum Spucken oder ob es noch geht. Ich entschied mich für das weiterfahren, aber eben sehr langsam. Ich war ziemlich am Boden zerstört, da ich von mir selbst sehr enttäuscht war. Es war zwar von Anfang an klar, dass ich kein Rennen fahren wollte, aber so habe ich mir das dann auch nicht vorgestellt. Keine Ahnung was da los war. Zwischendurch hatte ich schon selbst Zweifel daran, ob Radsport wirklich der richtige Sport für mich war. Glücklicherweise war dieses Gefühl vorbei, als ich endlich im Ziel war.

Ein Gutes hatte die Veranstaltung für mich dennoch:
Mat und ich beherrschen wohl inzwischen jede Fasson im Radsportleben von Paaren. Wie immer ist Mat bei mir geblieben. Und ganz sicher war dies überhaupt nicht einfach für ihn. Aber ich habe inzwischen gelernt nicht zu meckern und er hält es auch irgendwie mit mir aus. Ganz ohne Streit und Stress! Das war vor ein paar Jahre noch ganz anders. Am vergangenen Sonntag gab es bei uns lediglich irgendwann den folgenden Wortwechsel:
Bri: „Ist es sehr schlimm für Dich?“
Mat: „Ja“
Bri: „Ich weiß, es tut mir auch sehr leid!“
Das war es. Damit war alles gesagt und keiner war böse auf den anderen!
Vielen Dank für Dein Verständnis, liebster Mat!

Insgesamt waren die Bedingungen ansonsten gut. Das Wetter war schön. Die Strecke eigentlich auch. Recht viel Wind, aber auch OK. Nur meine Form wollte nicht!

Nach dem Ziel konnte ich jedoch schon wieder Lachen. Beim Treffpunkt auf dem Ida-Ehre-Platz konnte ich meine Lieben in die Arme nehmen, die extra für uns nach Hamburg gekommen sind. Neben meinen lieben Schwiegereltern, die jedes Jahr dabei sind, waren auch meine beste Freundin Katrin und mein Patenkind Josie da. Toll! Natürlich waren auch alle Foris und meine geliebte Rad-Freundin Wosi da und haben sie mein Leid angehört. Auch nochmal ein herzlicher Dank an UweK für die spontane Bewirtung und die liebe Worte direkt nachdem wir ankamen. Ein ganz toller erster Vorsitzender von HFS.

Tja, eigentlich wollte ich den Tag nur noch vergessen, doch wenn ich jetzt so den Bericht schreibe, dann war es doch nicht so schlimm. Solche Tage gehören wohl einfach beim Radsport dazu. Es hätte zwar nicht unbedingt bei dem Cyclassics sein müssen, aber was soll’s. Es gibt wirklich schlimmeres. Außerdem ist das wichtigste, dass wir heil ins Ziel gekommen sind. Schließlich ist Mat einmal haarscharf an einem Unfall vorbeigeschlittert. Im wahrsten Sinne vorbeigeschlittert. Denn ein Fahrer hat ihn angefahren und dabei kam Mat natürlich ins Wanken. Glücklicherweise konnte er es irgendwie ausbalancieren. Er hat sich aus dem Pedal geklickt und auf dem Boden damit ausbalanciert, so dass sogar Funken sprühten. Aber er hat es geschafft und ist nicht gestürzt. Wie auch immer er das gemacht hat. Ich hatte bereits geschrien, da ich direkt dahinterfuhr. Aber es ist ja nochmal gut gegangen. Der Fahrer, der Mat fast zum Fall brachte rief nur ein kurzes „Sorry“ und weg war er!

Ob ich die Cyclassics jemals nochmal fahren werde, steht aus heutiger Sicht noch in den Sternen 😉 … auch wenn es eigentlich eine schöne Veranstaltung ist und einfach nach Hamburg gehört!

Oft haben natürlich an unserem Helmut auch an diesem Tag gedacht. Eigentlich sind wir nur für ihn gefahren. Er fehlte uns sehr …

In diesem Sinne radsportliche Grüße
Eure Bri

Ps.: Fotos und weitere Berichte gibt es natürlich bei HFS und zwar hier:
http://www.hfs.bike/forum/viewtopic.php?f=3&t=10532

 

 

 

2 Gedanken zu “EuroEyes Cyclassics 2016

  1. Karin Vergin schreibt:

    Guten Morgen meine Süße. Ich habe eben diesen Bericht gelesen und bin ganz gerührt. Du hast alles richtig gemacht, auch wenn es sehr schwer war. Du kannst stolz auf Dich sein. Ich bin es sowieso!! Deine Mama

    Gefällt 1 Person

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